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Ein perfektes Eishockeyfest

(dz) Eine 1:9-Niederlage! Normalerweise Grund, um über die Bücher zu gehen. Nicht so gestern, als das kleine Hockey Reinach auf den grossen EHC Basel getroffen ist. Geschichten, die nur der Cup schreibt.

Die Freude war gross, als der EHC Basel als Gegner im Cup feststand. Gleichzeitig begann aber auch die Arbeit. Man wollte einen Anlass organisieren, der perfekt werden sollte. 40 Helfer standen im Einsatz und sorgten dafür, dass es ein Nachmittag wurde, an dem aufgezeigt wurde, dass Hockey Reinach auch Grosses kann. Organisatorisch wurden die Erwartungen erfüllt. Jetzt musste auch die Mannschaft noch ihren Teil dazu beitragen. Fazit: Auch sie hat geliefert! Um die Voraussetzungen aufzuzeigen: Die Basler verfügen über ein 15x höheres Budget, eine Profimannschaft, die nur mit Akteuren bestückt ist, die Eishockey als Beruf ausüben, ein Spieler, der soviel verdient, wie das gesamte Budget von Hockey Reinach beträgt und auf Basler Seite nur Torschützen, die jahrelange Karrieren in der National League bestritten haben. Eine Affiche, die man als David gegen Goliath bezeichnen kann.

Ein Treffer für die Geschichtsbücher
Die Erwartungen waren klein auf Seiten von Hockey Reinach. Man wollte sich so teuer als möglich verkaufen. Das Spiel startete wie erwartet. Der EHC Basel nahm schnell das Spieldiktat in die Hand und erhielt schon nach 3 Minuten die Chance mit einem Penalty die Führung erzielen zu können. Der Heimkehrer und Lokalmatador Matthias Rossi scheiterte aber am exzellent spielenden Goalie Silvan Christen. Diese Aktion gab der Mannschaft von Captain Denis Zogg, der den kranken Marco Vogt als Mannschaftsführer ersetzte, zusätzliche Kraft. Es war ein Auftritt, der die Zuschauer begeisterte. Nicht nur, dass die Basler kaum zu Chancen kamen, sondern das Hockey Reinach frech mitgespielt und auch zu ausgezeichneten Chancen kam. Es brauchte den wohl besten Ausländer der Swiss League, Jakob Stukel, um Basel in der 11. Minute in Führung zu bringen. Der Favorit tat sich schwer, so gut arbeiteten die Löwen in der eigenen Zone. Und doch hiess es in der 16. Minute 0:2, erzielt durch Gianluca Barbei. Kurz darauf bot sich für Hockey Reinach die Gelegenheit im Powerplay. Es war auch optisch zu erkennen, dass man einen Mann mehr auf dem Feld hat. Die Scheibe zirkulierte sehr gut und kam über Glody Bonga-Bonga und Daniel Müller zum 18-jährigen Youngster Jann Amstutz. Ein Schuss – ein Treffer! Der Anschlusstreffer war Tatsache. Der Jubel kannte keine Grenzen! Ein Tor für die Geschichtsbücher!

Hervorragende Mannschaftsleistung
Auch im zweiten Drittel ging es so weiter. Die Basler hatten mehr Spielanteile, auch mehr Schüsse, aber meistens aus Bereichen, die wenig Gefahr erzeugten. Die Mannschaft von Hockey Reinach sicherte die Defensivzone ausgezeichnet ab, ging keinem Zweikampf aus dem Weg und verfügte mit Silvan Christen über einen sensationell aufgelegten Goalie. Es war aber nicht so, dass nur die Basler am Drücker waren, Boschung & Co. spielten frech auf, zeigten sehr schöne Kombinationen und waren mit Kontern brandgefährlich. Hätte der Basler Kultgoalie Fabio Haller nicht mehrmals seine Qualitäten gezeigt, hätte es auch mehr als nur das eine Erfolgserlebnis gegeben. Besondere Erwähnung sollte auch haben, wie fair und diszipliniert die Mannschaft aufgetreten ist. Sie wollte mitspielen, nicht das Spiel des Gegners zerstören oder gar mit gefährlichen Aktionen für Unmut sorgen. Und wären nicht 2 Eigenfehler passiert, in denen man den Baslern „praktisch“ 2 Tore auf dem Silbertablett serviert hat, wäre das Spiel auch nach 40 Minuten noch offen gewesen.

Die Kraftreserven ausgegangen
In der Drittelspause wurde vielerorts darüber gesprochen, ob die Mannschaft auch in den letzten 20 Minuten weiterhin die fantastische Leistung abrufen oder Tribut dafür zollen muss. Diese Fragen wurden rasch beantwortet. Schon nach wenigen Sekunden erhöhte Matthias Rossi auf 1:5. Nach diesem Treffer ging der Mannschaft sprichwörtlich die Kraft aus. Der Vizemeister der Swiss League erhöhte dank 3 persönlichen Treffern von Marc Aeschlimann und von Verteidiger Jens Nater auf 1:9. Traurig? Enttäuscht? Fehlanzeige! Vielmehr stolz auf alle Involvierten, die diesen unvergesslichen Anlass ermöglicht haben. Hockey Reinach hat eindrücklich aufgezeigt, dass mit einem Löwenherz auch Grosses möglich ist!

Letzte National Cup-Kampagne
Mit einem Eishockeyfest konnte sich Hockey Reinach aus dem nationalen Cup verabschieden. Der Wettbewerb wird mangels Interesse vieler MyHockey- und 1. Ligavereine nach dieser Saison eingestellt. Nicht nur nach dem Spiel gegen Basel konnte die Mannschaft das Eis mit erhobenen Hauptes verlassen, in den vergangenen 3 Jahren konnte sich Hockey Reinach immer für den Hauptbewerb der besten 32 Mannschaften qualifizieren. Ein Nachmittag, der Sportchef Daniel Zeber mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Erinnerung bleiben wird, wie er bestätigt: „Ich bin unheimlich stolz auf unsere Mannschaft. Meine Karriere als Sportchef hat doch schon einige unvergessliche Momente erlebt. Die Leistung unserer Spieler insbesondere in den ersten 40 Minuten war Extraklasse! Definitiv das Beste, was ich jemals von einer meiner Mannschaften gesehen habe. So eine Leistung war aber nur möglich, weil wir diesen Wettbewerb immer Ernst genommen haben. Wir durften uns mit diesem Fest für unsere Einstellung und unsere Leistungen belohnen und Spiele bestreiten, die in Erinnerung bleiben. So wie uns der EHC Basel Respekt entgegengebracht und mit allen Stars angetreten ist, so war es im National Cup unsere Verpflichtung in Spielen gegen Unterklassige ebenfalls mit der bestmöglichen Mannschaft anzutreten. Mir fehlt das Verständnis dafür, dass Amtskollegen bei anderen Vereinen, den Cup zu Grabe getragen haben. Das Eishockey in der Schweiz entsteht nicht in den grossen Organisationen, sondern in den regionalen Dorfvereinen. Auch diese hätten Anspruch auf solche Feste. Leider stand bei vielen Vereinen aber nur das Eigeninteresse im Vordergrund. Es ist sehr schade, um einen Bewerb, der „gross“ und „klein“ zusammengebracht hat“.

Hockey Reinach – EHC Basel 1:9
465 Zuschauer
Torschütze: Amstutz

Hockey Reinach:
Christen (Vontobel); Amstutz, Krämer, Lerch, Perrot, Tresch, Weiss, Zogg; Augstburger, Benz, Bonga-Bonga, Boschung, Klavs, Lascandri, Leimgruber, Müller, Schmerda, E. Schmid;

Best Player Hockey Reinach: Jann Amstutz
Hardest Worker: Denis Zogg

© Fotos: Hockeyphoto.ch